Recruiting-Videos: der Leitfaden für Unternehmen
Dieser Leitfaden erklärt, was Recruiting-Videos Ihrem Unternehmen bringen, worauf es ankommt und wie Sie sie planen, rechtssicher umsetzen und messen. Mit Zahlen aus der Region, Erkenntnissen aus der Personalforschung und einer Checkliste für die Praxis. Alle Quellen finden Sie am Ende.
Stand: Oktober 2026 · Von Lukas Wilhelm, Filmemacher und Fotograf aus Neu-Ulm · Lesezeit ca. 10 Minuten

1. Die Ausgangslage
Laut Fachkräftemonitor der IHK Ulm sind in der IHK-Region Ulm knapp 11.500 Stellen unbesetzt. Bis 2035 soll die Zahl um 62 Prozent auf über 18.600 steigen. Gesucht werden vor allem Menschen mit Berufsausbildung, besonders in gewerblich-technischen Berufen, in Logistik, Verkauf, Gesundheitswesen und Unternehmensorganisation. Nur etwa jede neunte offene Stelle ist eine Akademikerstelle.
Gleichzeitig zeigt der Ausbildungsmarkt, dass Angebot und Nachfrage oft nicht zueinanderfinden: Bundesweit blieben 2025 rund 54.400 Ausbildungsstellen unbesetzt, während rund 84.400 Bewerberinnen und Bewerber ohne Platz blieben, der höchste Wert seit 2010 (BIBB).
Was das für Sie bedeutet: Es reicht nicht, eine Stelle auszuschreiben. Entscheidend ist, dass die richtigen Menschen Ihr Unternehmen überhaupt wahrnehmen und schnell verstehen, ob sie zu Ihnen passen. Genau hier setzen Recruiting-Videos an.
2. Was die Forschung sagt
In der Personalpsychologie heißt das Prinzip Realistic Job Preview (realistische Tätigkeitsvorschau): Bewerberinnen und Bewerber bekommen vor der Entscheidung ein ehrliches Bild der Arbeit, mit den schönen und den anstrengenden Seiten. Dazu gibt es seit den 1980er-Jahren mehrere Meta-Analysen, also Auswertungen vieler Einzelstudien.
- Weniger Fluktuation, aber kein Wundermittel: Die Meta-Analysen von Premack und Wanous (1985), McEvoy und Cascio (1985) und Phillips (1998) finden kleine, aber beständige Effekte auf Fluktuation und Bindung.
- Glaubwürdigkeit ist der Hebel: Die jüngste Meta-Analyse von Earnest, Allen und Landis (2011) zeigt, dass realistische Vorschauen vor allem deshalb wirken, weil das Unternehmen ehrlicher wahrgenommen wird. Das signalisiert, dass es sich um neue Mitarbeitende kümmert.
- Video überzeugt: In derselben Analyse führten Video-Vorschauen zu höherer Akzeptanz und höher eingeschätzter Ehrlichkeit als schriftliche oder mündliche.
- Auch nach der Zusage wirksam: Realistische Einblicke beim Onboarding waren mindestens so wirksam wie vor der Einstellung.
Was das für Sie bedeutet: Ein Recruiting-Video sollte nicht nur werben, sondern ehrlich zeigen. Das macht Ihr Unternehmen glaubwürdiger und sorgt dafür, dass sich eher die Menschen bewerben, die wirklich passen. Ein guter Film ist dabei ehrlich, aber nicht abschreckend: Er zeigt die Anforderungen und gleichzeitig, warum es sich lohnt.
3. Der Nutzen für Ihr Unternehmen
- Passendere Bewerbungen: Wer vorher sieht, wie die Arbeit aussieht, bewirbt sich eher nur, wenn es passt.
- Weniger Aufwand im Auswahlverfahren: Fragen zu Team, Schichten und Arbeitsplatz beantwortet das Video, bevor Sie Zeit in ein Gespräch investieren.
- Bessere Bindung: Neue Mitarbeitende fangen mit realistischen Erwartungen an und werden seltener enttäuscht.
- Sichtbarkeit bei der richtigen Zielgruppe: Fachkräfte mit Ausbildung und junge Menschen erreichen Sie mit kurzen Videos auf dem Smartphone eher als mit langen Texten.
- Ein Auftritt, den niemand kopieren kann: Stellenanzeigen klingen oft gleich. Ihr echtes Team gibt es nur bei Ihnen.
- Mitarbeitende als Botschafter: Wer im Film zu sehen ist, teilt ihn oft im eigenen Umfeld.
- Lange nutzbar: Ein Film arbeitet auf Karriereseite, in Anzeigen, auf Messen und beim Onboarding, über viele Monate.
4. Formate im Überblick
| Format | Länge | Einsatz | Ihr Nutzen |
|---|---|---|---|
| Recruitingfilm | 60–120 s | Karriereseite, Messe, Gespräch | Zeigt Team und Werte auf einen Blick |
| Mitarbeiter-Porträt | 60–90 s | Je Beruf oder Stelle | Jede Stellenanzeige bekommt ihr eigenes Video |
| Recruiting-Reels | 15–30 s | Instagram, TikTok, Facebook | Hält Sie über Wochen im Gespräch |
| Azubi-Content | 15–60 s | Social Media, Schulen, Messen | Junge Menschen glauben Gleichaltrigen |
| Video-Stellenanzeige | 20–40 s | Bezahlte Anzeigen, Jobportale | Mehr Aufmerksamkeit als ein Textbild |
| Fragen ans Team | 30–60 s je Frage | Karriereseite, Social Media | Beantwortet wiederkehrende Fragen |
| Onboarding-Film | 1–3 Min. | Nach der Zusage | Nimmt Nervosität, stärkt die Bindung |
| Mitarbeiterfotos | – | Karriereseite, Anzeigen, LinkedIn | Echte Gesichter statt Stockfotos |
Für den Anfang reichen oft ein Recruitingfilm und eine kleine Reel-Serie. Wer mehrere Berufe sucht, profitiert von Mitarbeiter-Porträts, weil jede Anzeige so ein passendes Video bekommt.
5. Wo Recruiting-Videos laufen sollten
Ein Video, das nur auf der Karriereseite liegt, verschenkt den größten Teil seiner Wirkung. Planen Sie die Kanäle deshalb vor dem Dreh, dann entstehen alle Formate in einem Termin:
- Karriereseite: ganz oben, nicht hinter dem dritten Klick.
- Stellenanzeigen: als Link oder eingebettet, wo das Portal es erlaubt.
- Instagram, TikTok, Facebook und YouTube: Hochformat für Reels und Shorts, kürzere Fassungen für bezahlte Anzeigen.
- LinkedIn: für Fach- und Führungskräfte, gern mit Mitarbeitenden als Absender.
- Google-Unternehmensprofil: Fotos und Videos vom Team erscheinen direkt in der Suche.
- Ausbildungsmessen und Schulbesuche: als Schleife ohne Ton, deshalb immer mit Untertiteln.
- Einladung zum Gespräch und Onboarding: ein kurzer Film über den ersten Tag.
6. Woran Sie ein gutes Recruiting-Video erkennen
- Echte Mitarbeitende statt Models. Bewerber merken sofort, ob jemand spielt.
- Arbeitsalltag statt Firmengebäude. Hände, Werkzeug, Kolleginnen und Pausenraum überzeugen mehr als ein Drohnenflug über das Dach.
- Ehrlich, auch beim Anstrengenden. Schichtarbeit oder Lärm offen zu zeigen, sortiert vor (siehe Abschnitt 2).
- Die ersten zwei Sekunden zählen. Ein Gesicht und ein klarer Satz statt eines Logo-Intros.
- Untertitel. Viele schauen ohne Ton, gerade unterwegs und auf Messen.
- Konkrete Fakten. Arbeitszeiten, Einarbeitung, Benefits und, wenn möglich, eine Gehaltsspanne.
- Ein klarer nächster Schritt. Wie und wo man sich bewirbt, so einfach wie möglich.
Typische Fehler: Ein Imagefilm wird als Recruitingfilm benutzt (er zeigt Produkte, aber nicht die Arbeit). Die Geschäftsführung spricht, das Team schweigt. Das Video ist zu lang für das Smartphone. Und es gibt nur ein einziges Video ohne Plan für Kanäle und Kurzfassungen.
7. Planung in sechs Schritten
- Ziel klären: Welche Stellen sollen besetzt werden, bis wann, und wen wollen Sie erreichen?
- Botschaft finden: Was macht die Arbeit bei Ihnen aus? Fragen Sie Ihr Team, warum es geblieben ist.
- Personen auswählen: Freiwillige aus verschiedenen Bereichen und Altersgruppen, nicht nur Führungskräfte.
- Kanäle und Formate festlegen: Daraus ergibt sich, welche Längen und Seitenverhältnisse gedreht werden.
- Drehtag vorbereiten: Einwilligungen einholen, Abläufe abstimmen, Bereiche ohne Kundendaten wählen.
- Veröffentlichen und messen: Videos über Wochen verteilen und die Kennzahlen aus Abschnitt 9 beobachten.
Für Ausbildungsplätze lohnt es sich, das Material vor der Bewerbungsphase und den Ausbildungsmessen im Herbst fertig zu haben.
8. Rechtliches: Einwilligung der Mitarbeitenden
Das Bundesarbeitsgericht hat 2015 entschieden (Urteil vom 19. Februar 2015, 8 AZR 1011/13):
- Schriftlich: Im Arbeitsverhältnis muss die Einwilligung in Videoaufnahmen schriftlich erteilt werden, damit klar ist, dass sie freiwillig und unabhängig vom Arbeitsvertrag erfolgt.
- Nicht automatisch beendet: Die Einwilligung erlischt nicht von selbst, wenn jemand das Unternehmen verlässt, jedenfalls wenn die Person nur Arbeitsabläufe illustriert.
- Widerruf mit Grund: Ein späterer Widerruf war in dem Fall nur mit einem plausiblen Grund möglich. Wird eine Person dagegen herausgestellt, etwa mit Namen, kann das anders zu bewerten sein.
Seit Geltung der DSGVO kommen datenschutzrechtliche Anforderungen hinzu, etwa an Information und Widerruf. Planen Sie deshalb mit mehreren Personen und austauschbaren Clips. Bei Auszubildenden unter 18 Jahren sollten zusätzlich die Eltern zustimmen. Dieser Abschnitt ist keine Rechtsberatung; klären Sie die Details mit Ihrer Personalabteilung, Ihrem Datenschutzbeauftragten oder einer Anwältin.
9. Erfolg messen
Ob sich Recruiting-Videos lohnen, sehen Sie an wenigen Kennzahlen. Notieren Sie die Werte vor dem Start, um vergleichen zu können:
- Bewerbungen je Stelle und der Anteil passender Bewerbungen, zum Beispiel gemessen an Einladungen zum Gespräch.
- Zeit bis zur Besetzung: Tage von der Ausschreibung bis zur Zusage.
- Abbrüche in der Probezeit: der wichtigste Wert für die Wirkung ehrlicher Einblicke.
- Herkunft der Bewerbung: Fragen Sie im Gespräch, wie die Person auf Sie aufmerksam wurde.
- Video-Kennzahlen: Aufrufe, durchschnittliche Wiedergabedauer und Klicks auf „Jetzt bewerben“.
10. Kosten und Budget
Was ein Recruiting-Video kostet, hängt vor allem von der Zahl der Drehtage, Personen und Orte ab, von der Zahl der Fassungen und davon, ob Untertitel, Sprecher oder Drohnenaufnahmen gebraucht werden. Am effizientesten ist es, Film, Reels und Fotos an einem Termin zu produzieren: Anfahrt, Aufbau und Planung fallen dann nur einmal an.
Zur Orientierung meine Preise:
| Leistung | Preis |
|---|---|
| Recruiting-Reels (halber Drehtag, 3 Reels) | ab 1.090 € |
| Jedes weitere Reel aus demselben Dreh | ab 79 € |
| Fragen ans Team (Talking-Head-Paket, 10 Videos) | ab 2.190 € |
| Recruiting-Kampagne (mehrere Drehtage) | ab 3.890 € |
| Recruitingfilm mit Kurzfassungen | ab 3.990 € |
| Mitarbeiterfotos (Team, mobiles Studio) | ab 390 € |
Alle Preise netto zzgl. MwSt. Konzept, Dreh, Schnitt, lizenzierte Musik und alle Nutzungsrechte sind enthalten. Fahrten in Ulm und Neu-Ulm kosten pauschal 11 €. Sie bekommen vorab ein festes Angebot.
Stellen Sie den Kosten gegenüber, was eine unbesetzte Stelle jeden Monat bedeutet: liegengebliebene Aufträge, Überstunden im Team und Anzeigen, die immer wieder neu geschaltet werden.
11. Checkliste für Ihr Projekt
- Welche Stellen und Zielgruppen haben Vorrang?
- Was sagen Mitarbeitende, warum sie gern bei Ihnen arbeiten?
- Wer macht freiwillig mit, und liegen die schriftlichen Einwilligungen vor?
- Welche Bereiche zeigen den Arbeitsalltag, ohne Kundendaten im Bild?
- Auf welchen Kanälen laufen die Videos, in welchen Formaten?
- Welche Fakten gehören hinein: Arbeitszeiten, Einarbeitung, Benefits, Gehaltsspanne?
- Wie bewirbt man sich, und ist der Weg auf dem Smartphone einfach?
- Welche Kennzahlen notieren Sie vor dem Start?
12. Recruiting-Videos in der Region Ulm
Ich bin Filmemacher und Fotograf aus Neu-Ulm und drehe Recruiting-Videos und Mitarbeiterfotos in Ulm, Neu-Ulm, Senden, Illertissen, Weißenhorn, Blaubeuren, Ehingen, Laupheim, Biberach, Günzburg und Memmingen: in Werkstatt, Lager, Praxis, Büro oder auf der Baustelle. Konzept, Dreh, Schnitt und Fotos kommen aus einer Hand. Ich drehe mit kleinem Team direkt am Arbeitsplatz, niemand muss Text auswendig lernen, und Sie geben alles frei, bevor es veröffentlicht wird. Mitarbeiterfotos → Social-Media-Videos → Langfristige Zusammenarbeit →
Quellen
- IHK Ulm: Fachkräftemonitor zeigt Engpässe auf. Pressemitteilung vom 8. Januar 2026.
- Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB): Ausbildungsmarkt 2025. Pressemitteilung 40/2025 vom 10. Dezember 2025.
- Premack, S. L. & Wanous, J. P. (1985): A meta-analysis of realistic job preview experiments. Journal of Applied Psychology, 70.
- McEvoy, G. M. & Cascio, W. F. (1985): Strategies for reducing employee turnover: A meta-analysis. Journal of Applied Psychology, 70.
- Phillips, J. M. (1998): Effects of realistic job previews on multiple organizational outcomes: A meta-analysis. Academy of Management Journal, 41.
- Earnest, D. R., Allen, D. G. & Landis, R. S. (2011): Mechanisms linking realistic job previews with turnover: A meta-analytic path analysis. Personnel Psychology, 64.
- Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (mpfs): JIMplus-Studie, zitiert nach ZDFheute, Juli 2026.
- Bundesarbeitsgericht: Urteil vom 19. Februar 2015, 8 AZR 1011/13 (Einwilligung von Arbeitnehmern in Videoaufnahmen).
Projekte
Häufige Fragen zu Recruiting-Videos
Bringen Recruiting-Videos wirklich mehr Bewerbungen?
Vor allem bringen sie passendere Bewerbungen, weil Interessierte vorher sehen, was sie erwartet. Die Forschung zu realistischen Tätigkeitsvorschauen zeigt kleine, aber beständige Effekte auf die Bindung. Wie viele Bewerbungen es werden, hängt von Stelle, Region und Verbreitung ab und lässt sich nicht seriös garantieren.
Wie lang sollte ein Recruiting-Video sein?
Der Hauptfilm 60 bis 120 Sekunden, Reels 15 bis 30 Sekunden, eine Video-Stellenanzeige 20 bis 40 Sekunden. Aus einem Dreh entstehen alle Längen.
Was kostet ein Recruiting-Video in Ulm?
Recruiting-Reels gibt es ab 1.090 € netto für einen halben Drehtag mit drei fertigen Reels, einen Recruitingfilm mit Kurzfassungen ab 3.990 € netto. Sie bekommen vorab ein festes Angebot.
Brauchen wir eine schriftliche Einwilligung der Mitarbeitenden?
Ja. Nach dem Bundesarbeitsgericht (Urteil vom 19. Februar 2015, 8 AZR 1011/13) muss die Einwilligung im Arbeitsverhältnis schriftlich erfolgen. Das ist keine Rechtsberatung.
Was passiert, wenn jemand aus dem Video das Unternehmen verlässt?
Die Einwilligung erlischt nicht automatisch, wenn die Person nur Arbeitsabläufe zeigt. Sicherer ist es, mit mehreren Personen und austauschbaren Clips zu planen.
Lohnt sich das auch für kleine Betriebe?
Ja. Schon ein halber Drehtag mit drei Reels zeigt Ihr Team und Ihren Arbeitsalltag besser als eine Textanzeige. Ausbauen können Sie später.
Wie viel Aufwand ist der Dreh für unser Team?
Wenig. Gedreht wird mit kleinem Team direkt am Arbeitsplatz und in kurzen, abgestimmten Zeitfenstern. Niemand muss Text auswendig lernen.
Woran messe ich den Erfolg?
An Bewerbungen je Stelle, dem Anteil passender Bewerbungen, der Zeit bis zur Besetzung, Abbrüchen in der Probezeit und daran, wie Bewerber auf Sie aufmerksam wurden.
Weitere Leistungen
Sie möchten das für Ihr Unternehmen umsetzen?
Schreiben Sie kurz, welche Stellen Sie besetzen möchten und wen Sie erreichen wollen. Sie bekommen innerhalb von 24 Stunden einen Vorschlag, welche Formate für Ihre Stellen am meisten bringen, und ein festes Angebot.


